Autor: Fabienne Möller

  • Wohlbefinden durch gesunde Ernährung: So beeinflusst sie dein Leben

    Wohlbefinden durch gesunde Ernährung: So beeinflusst sie dein Leben

    • Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und gesunden Fetten fördert das körperliche und mentale Wohlbefinden.
    • Ernährung beeinflusst Stimmung, Energie und Lebenszufriedenheit, wobei die mediterrane Ernährungsweise besonders positive Effekte zeigt.
    • Soziale Aspekte wie gemeinsames Essen stärken das soziale Wohlbefinden.
    • Ungesunde Ernährung kann das Glücksempfinden und die Gesundheit negativ beeinflussen.
    • Insgesamt trägt bewusste Ernährung zu einem erfüllten und zufriedenen Leben bei.

    Oft wird als ein Ziel für Ernährungsumstellungen die Steigerung des Wohlbefindens angegeben. Aber was bedeutet das überhaupt? Kann man Wohlbefinden messen? Und wie wirkt sich Ernährung eigentlich darauf aus?

    Ich wollte es genauer wissen und bin dem Zusammenhang zwischen Wohlbefinden und Ernährung aus wissenschaftlicher Sicht nachgegangen.

    Was ist Wohlbefinden?

    Zunächst stellt sich die Frage, was Wohlbefinden überhaupt bedeutet. Die World Health Organization (WHO) definiert Wohlbefinden wie folgt:

    „Well-being is a positive state experienced by individuals and societies.

    Similar to health, it is a resource for daily life and is determined

    by social, economic and environmental conditions.” [1]

    Wohlbefinden stellt demnach eine wichtige Ressource zur Bewältigung des Alltags dar und wird beeinflusst von sozialen-, wirtschaftlichen-, und Umgebungsfaktoren – So weit, so schwammig.

    Die WHO hat dazu allerdings auch einen Fragebogen entwickelt, mit dem individuelles Wohlbefinden gemessen werden kann. Dabei wird nach der allgemeinen Stimmung, der empfundenen Ruhe, dem Energielevel, der Schlafqualität und einem erfüllten Alltag gefragt [20]. Wir können also festhalten, dass Wohlbefinden ein positives Gefühl ist, uns Energie für den Alltag liefert und von verschiedenen Faktoren beeinflusst wird.

    Faktoren, die das Wohlbefinden beeinflussen können:

    Die wichtigsten Faktoren, die unser Wohlbefinden beeinflussen, sind unter anderem unser Alltagserleben, das Alter, die Lebensumstände, unsere soziale Eingebundenheit, finanzielle Sicherheit und unsere Umwelt [4], [14], [16].

    Wenn wir uns den konkreten Einfluss von Ernährung auf diese Faktoren anschauen, dann kann man aufteilen in:

    1. Körperliches Wohlbefinden: Beschwerdefreiheit und Leistungsfähigkeit.
    2. Mentales Wohlbefinden: Ausgeglichenheit und Stabilität, aber auch mentale Leistungsfähigkeit.
    3. Soziales Wohlbefinden: Soziale Teilhabe und Zugehörigkeitsgefühl.
    4. Allgemeine Lebenszufriedenheit: Generelles Glücklichsein mit der eigenen Lebenssituation.

    Welchen Einfluss hat Ernährung auf das Wohlbefinden?

    Ernährung hat auf direkte oder indirekte Art und Weise einen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Schauen wir uns nun einmal an, wie sie sich konkret auswirken kann.

    Körperliches Wohlbefinden

    Der Einfluss von Ernährung auf das körperliche Wohlbefinden ist wohl am einfachsten nachvollziehbar und auch am besten erforscht. Inzwischen gehört es praktisch zum Allgemeinwissen, dass eine gesunde Ernährung Krankheiten vorbeugen und die körperliche Leistungsfähigkeit steigern kann. Laut Studien wirken sich dabei besonders Obst und Gemüse [19], gesunde Fette [6], [17], die Ballaststoffzufuhr und generell eine an den Körperbedarf angepasste Menge an Energie und Nährstoffen [5] positiv aus. Kurzum also: Eine ausgewogene Ernährung mit angemessenen Portionen.

    Negativ wirken sich hingegen viele raffinierte Kohlenhydrate (Zucker, Softdrinks, Süßigkeiten, Gebäck, etc.), gesättigte Fettsäuren (z.B. aus tierischem Fett oder frittierten Lebensmitteln) und eine über dem Bedarf liegende Energiezufuhr aus. Zum einen, weil sie ernährungsbedingte Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck auslösen können [5], [6], [17]. Aber auch, weil durch eine zu hohe Energiezufuhr über längere Zeit Übergewicht und Adipositas entstehen können, welche das Risiko für die genannten Erkrankungen nochmals deutlich erhöhen und mit weiteren gesundheitlichen Problemen wie Arthrose einhergehen [5], [8], [6]. Wichtig ist dabei zu betonen, dass hier ein übermäßiger Verzehr gemeint ist. Hin und wieder mal etwas Süßes oder Frittiertes zu essen ist vollkommen in Ordnung.

    Insgesamt sorgt eine ausgewogene und bedarfsgerechte Ernährung also dafür, dass wir körperlich gesünder und leistungsfähiger sind und mehr Freude an Aktivität haben. Da sich Erkrankungen und Beschwerden negativ auf die Möglichkeiten zur Alltagsgestaltung auswirken, hat Ernährung damit auch einen entscheidenden Einfluss auf das Wohlbefinden.

    Mentales Wohlbefinden

    Hier wird es schon etwas komplexer, denn auch die Wissenschaft ist aktuell noch dabei zu erforschen, inwiefern sich Ernährung auf Gehirnstrukturen und damit verbundene Krankheitsbilder auswirkt. Dazu gehören Altzheimer oder Demenz, aber auch Depressionen und Angststörungen. Es wird vermutet, dass es einen Zusammenhang zwischen bestimmten Nährstoffen und dem Auftreten solcher Erkrankungen geben könnte und dass die Ernährung einen wichtigen Beitrag zur Prävention oder Symptomlinderung leisten könnte [6], [8], [9], [11], [13], [15].

    Dazu müsste man zuerst einmal genauer wissen, welche Nährstoffe und in welcher Menge eine positive Wirkung entfalten können und was gegen welches Krankheitsbild hilft. Hier wird aktuell geforscht und man konnte bereits einige wichtige Erkenntnisse dabei gewinnen, von denen wir uns hier einige etwas näher anschauen. Bitte beachten: Es handelt sich um erste Erkenntnisse, die noch weitere Forschung benötigen und nicht um konkrete Handlungsempfehlungen.

    So war in Studien beispielsweise das Depressionsrisiko geringer bei Teilnehmern, welche eine gesunde Ernährung im Sinne einer mediterranen Ernährungsweise einhielten [8]. Eine andere Studie zeigte, dass mediterrane Ernährung auch bei bereits vorliegender Depression mit weniger Symptomen einherging [13]. Hierbei muss man allerdings beachten, dass depressive Erkrankungen ohnehin oft mit einer ungesünderen Auswahl an Lebensmitteln (mehr Zucker und raffinierte Kohlenhydrate) einhergehen. Eine Verbesserung muss also nicht zwangsweise auf die Ernährung zurückzuführen sein.

    Die mediterrane Ernährung bietet viele gesundheitliche Vorteile und zeichnet sich aus durch:

    • Viel Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte
    • Fisch und Meeresfrüchte
    • Einsatz von gesunden Fettquellen wie Fisch, pflanzliche Öle (v.a. Olivenöl) und ungesalzene Nüsse/Kerne
    • Vollkornprodukte
    • Milchprodukte in Maßen
    • mageres Fleisch (moderate Mengen)
    • Weitestgehender Verzicht auf Zucker, verarbeitete Lebensmittel und Fast Food

    Eine weitere Studie konnte zeigen, dass ein hoher Zuckerkonsum und viele gesättigte Fette in der Ernährung mit einer geringeren Hirnleistung und schlechterem Erinnerungsvermögen verbunden waren. Andersherum förderten hier komplexe Kohlenhydrate (wie z.B. in Vollkornprodukten) und Omega-3-Fettsäuren (z.B. aus Fisch) offenbar die Gehirnentwicklung und das Erinnerungsvermögen auf lange Sicht [15], [6].

    Eine Studie mit Reizdarmpatienten zeigte, dass diese häufig eine Verschlechterung ihrer Symptome, wie Durchfall oder Verstopfung, angaben, wenn Ängste oder Depressionen vorlagen. Dies zeugt von der Verbindung zwischen Darm und Hirn, auch die „Darm-Hirn-Achse“ genannt [7]. Unsere Stimmung wirkt sich demnach auf Verdauungsprozesse aus und kann diese beeinflussen.

    An den genauen Mechanismen für diese Studienergebnisse wird auch weiterhin geforscht und sie sind noch nicht vollständig geklärt. Es scheinen aber sowohl Makronährstoffe (Kohlenhydrate, Protein und Fett) wie auch Mikronährstoffe (Mineralstoffe und Vitamine) und die Darmgesundheit eine Auswirkung auf die Stimmung und die mentale Gesundheit zu haben:

    Bei den Makronährstoffen ist es denkbar, dass Kohlenhydrate über die Beeinflussung des Blutzuckerspiegels eine Rolle spielen. Sinkt dieser sehr stark ab, wird im Körper Stress ausgelöst. Ein niedriger Blutzuckerspiegel ist aufgrund dieser Stressreaktion mit verringertem Wohlbefinden verknüpft. Besonders raffinierte Kohlenhydrate und Zucker lassen den Blutzuckerspiegel stark schwanken. Ballaststoffreiche, komplexe Kohlenhydrate wie in Vollkornprodukten oder Hülsenfrüchten halten ihn dagegen stabiler [8].

    Eine hoher Konsum von Zucker und gesättigte Fettsäuren kann Entzündungsreaktionen im Körper auslösen können, welche das Immunsystem aktivieren. Diese Entzündungsprozesse können wiederum Nervenschäden verursachen[8], [15]. Diese Schäden können durch Omega-3-Fette in der Ernährung, wie sie beispielsweise in Fisch oder Leinsamen stecken, wieder „repariert“ werden [6]. Gesunde Fette könnten also einen Ausgleich schaffen.

    Eine Anordnung von ungekocht weißem Reis, gelben Bandnudeln und braunen Kartoffeln auf einem Jutesack.
    Ballaststoffreiche Kohlenhydrate stabiliseren den Blutzuckerspiegel und können so das Wohlbefinden steigern

    Verschiedene Mikronährstoffe beeinflussen das Wohlbefinden vor allem über ihre Funktion als Bestandteil von Signalstoffen wie Dopamin, Serotonin oder Melatonin. Diese sorgen unter anderem für eine positive Stimmung, sind aber auch an anderen wichtigen Stoffwechselvorgängen im Körper, wie der Steuerung des Appetits oder der Schlafqualität, beteiligt. Um sie zu bilden, benötigt der Körper je nach Sorte ausreichend Vitamin D, Eisen, Zink, essenzielle Aminosäuren und verschiedene B-Vitamine [5], [13].

    Eine Auswahl an frischem Obst und Gemüse, darunter gelbe, grüne und rote Paprika, Tomaten, Orangen, Zitrone, Karotte und Sprossen, auf einer Holzoberfläche.
    Obst & Gemüse liefern viele wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe
    Eine Person legt die Hände vorsichtig auf ihren Bauch, um das Wohlbefinden und die Verbindung zur Körperwahrnehmung auszudrücken.
    Unser Darm hat einen Einfluss auf unsere Stimmung und umgekehrt. Probiotische Lebensmittel und Ballaststoffe helfen, damit er in Balance bleibt.

    Die Darmgesundheit war in Studien mit emotionaler Stabilität verbunden. So konnten beispielsweise Personen, die Probiotika regelmäßig zu sich genommen hatten, in einer Studie emotionale Aufgaben besser bewältigen als die Untersuchungsgruppe, die keine Probiotika bekam [8]. Vermutlich spielen die hilfreichen Bakterien im  Darm eine Rolle bei der Hemmung von Entzündungsprozessen im Körper. Probiotika stecken in fermentierten und gereiften Lebensmitteln wie Joghurt oder eingelegtem Gemüse. Es konnte jedoch bisher kein direkter Zusammenhang zwischen bestimmten Bakterienstämmen und menschlicher Emotion bestimmt werden, weshalb hier noch ein besonders großer Forschungsbedarf besteht [8]. In jedem Fall ist es jedoch sinnvoll regelmäßig probiotische Lebensmittel zu sich zu nehmen, um den Darm gesund zu halten und die Verdauung zu regulieren.

    Insgesamt deuten diese Erkenntnisse darauf hin, dass Ernährung sich nicht nur auf unsere Laune, sondern auch auf unsere Gehirnleistung und damit verbundene Erkrankungen auswirkt. Es ist in jedem Fall spannend zu sehen, welche Ergebnisse zukünftig aus der Forschung in Ernährungsempfehlungen und Therapieansätze mit einfließen könnten.

    Neben diesen Aspekten wirkt sich auch die Beziehung zum Essen auf das mentale Wohlbefinden aus. Bei obsessiven Gedanken rund ums Essen, ständigem Verzicht sowie Ängsten vor bestimmten Lebensmitteln kann es zu gestörtem Essverhalten und Essstörungen kommen. Diese verringern das mentale Wohlbefinden und gehen oft mit weiteren Erkrankungen einher.

    Soziales Wohlbefinden

    Ernährung und soziales Wohlbefinden bedingen sich gegenseitig.

    Zum einen ist Ernährung selbst eben auch immer etwas sehr Soziales. Wir essen in der Regel besonders gerne zusammen mit anderen, genießen gemeinsam eine leckere Mahlzeit und freuen uns im Urlaub darauf, andere Kulturen und deren traditionelle Gerichte kennenzulernen. Essen verbindet und schafft ein Gemeinschaftsgefühl. So ist es auch nicht verwunderlich, dass soziale Isolation häufig nicht nur mit einem verringerten Wohlbefinden, sondern auch mit einer schlechteren Ernährungsqualität und gestörtem Essverhalten einhergeht [21]. Laut einer Studie mit knapp 100 Teilnehmern neigten sozial isolierte Menschen häufiger zu mehr Körperfett, Binge-Eating und emotionalem Essen [21]. Denkbar ist, dass die soziale Isolation und die damit einhergehenden negativen Emotionen wie Einsamkeit mit Essen kompensiert werden. Wer schon einmal aus Emotion heraus gegessen hat, der kennt das vielleicht: Man hat in der Regel dann eben weniger Lust auf eine Karotte, sondern eher auf Eis, Kuchen, Chips und co. – also Zucker und Fett.

    Denkbar ist auch, dass wer auf eine gesunde Ernährungsweise und einen aktiven Lebensstil achtet, auch mental ausgeglichene Menschen anzieht. So entsteht ein emotional stabiles und stärkendes Umfeld mit einem positiven Einfluss. [19].

    Was wir essen, wird sehr stark von unserem Umfeld mitbestimmt. Ganz besonders der Familie kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Unsere Eltern leben vor, was gut schmeckt und welche Rolle Essen auch später in unserem Leben einnimmt. Eine Studie zeigte, dass sich ein von den Eltern vorgelebtes positives Verhältnis zum Essen wiederum positiv auf das Wohlbefinden der Kinder in der Familie auswirkt [10].

    Familie genießt ein gemeinsames Abendessen, während ein Mann das Essen anrichtet. Der Tisch ist mit Kerzen und Getränken gedeckt, und die Atmosphäre ist warm und einladend.
    Die Familie ist ein wichtiger Faktor für die Entwicklung gesunder Ernährungsgewohnheiten.

    Ernährung beeinflusst unser Wohlbefinden über Zugehörigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und soziale Beeinflussung durch unser Umfeld.

    Allgemeine Lebenszufriedenheit

    Dieser Bereich ist am schwierigsten messbar. Wie zufrieden man mit seinem Leben insgesamt ist, das wird wohl jeder etwas anders deuten und auch an anderen Faktoren festmachen. Man könnte die allgemeine Zufriedenheit aber mit „Glück“ oder einem glücklichen Leben gleichsetzen. Glück lässt sich definieren als

    „Ausmaß, in welchem ein Individuum seine gesamte Lebensqualität als positiv bewertet.“ [19]

    Hierzu wurden in der World Database of Happiness  bereits seit den 80er Jahren Studien zum Thema Glück und Lebenszufriedenheit gesammelt und archiviert. Auch das Thema Ernährung ist hier als eine der Unterkategorien aufgeführt und es gibt diverse Studien hierzu [19]. Was sagen diese also zum Einfluss von Ernährung auf ein glückliches Leben?

    Insgesamt zeigt sich, dass Menschen, die sich gesund ernähren im Sinne der WHO-Standards glücklicher sind [19].

    Einen ganz besonders positiven Einfluss haben offenbar Obst und Gemüse, wobei das Optimum bei mindestens drei Portionen am Tag liegt [19]. Auch der Fakt, dass vermeintlich „ungesunde“ Lebensmittel oft auch als besonders attraktiv empfunden werden, wiegt die positiven Auswirkungen einer gesunden Ernährung dabei nicht auf. Wer sich also primär von Süßigkeiten, Softdrinks oder Fast Food ernährt ist in der Regel nicht glücklicher..

    Ein großer Glasschüssel mit frischem grünem Salat in der Mitte, umgeben von verschiedenen kleinen Schalen mit buntem Gemüse, Obst und Nüssen, die eine gesunde Essenszubereitung anzeigen.
    Besonders Obst & Gemüse machen glücklich.

    Es zeigt sich, dass gesunde Ernährung sich positiv auf die allgemeine Lebenszufriedenheit auswirkt – auch unabhängig von den Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit [19].

    Zusammenfassung

    Wohlbefinden wird als ein vielschichtiges, positives Gefühl verstanden, das von sozialen, wirtschaftlichen, Umwelt- und individuellen Faktoren beeinflusst wird. Es lässt sich anhand verschiedener Aspekte wie Stimmung, Energie, Schlaf und Alltag messen.

    Der Einfluss der Ernährung auf das Wohlbefinden ist vielfältig: Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse, gesunden Fetten und Ballaststoffen fördert die körperliche Gesundheit, während viele raffinierte Kohlenhydrate und gesättigte Fette negative Auswirkungen haben können. Für das mentale Wohlbefinden spielen Nährstoffe, Darm-Hirn-Achse, und die Beziehung zur Ernährung eine Rolle. Soziales Wohlbefinden wird durch gemeinsames Essen und soziale Bindungen gestärkt, während eine ausgewogene Ernährung auch die allgemeine Lebenszufriedenheit und das Glücksempfinden verbessern kann. Insgesamt zeigt sich, dass eine bewusste, gesunde Ernährung einen bedeutenden Beitrag zu einem positiven und erfüllten Leben leisten kann.

    Quellen:

    [1] Health Promotion Glossary of Terms 2021 (2021). 1st ed. Geneva: World Health Organization. Online verfügbar unter https://ebookcentral.proquest.com/lib/kxp/detail.action?docID=30477844.

    [2] Anglim, Jeromy; Horwood, Sharon; Smillie, Luke D.; Marrero, Rosario J.; Wood, Joshua K. (2020): Predicting psychological and subjective well-being from personality: A meta-analysis. In: Psychological bulletin 146 (4), S. 279–323. DOI: 10.1037/bul0000226.

    [3] Bartels, Meike, Nes, Ragnhild Bang, Armitage, Jessica M., van de Wijer, Margot P., de Vries, Lianne P.; Haworth, Claire M. A.: Exploring the Biological Basis for Happiness. In: World Happiness Report 2022. Online verfügbar unter https://worldhappiness.report/ed/2022/, zuletzt geprüft am 23.06.2025.

    [4] Casanova, Georgia; Zaccaria, Daniele; Rolandi, Elena; Guaita, Antonio (2021): The Effect of Information and Communication Technology and Social Networking Site Use on Older People’s Well-Being in Relation to Loneliness: Review of Experimental Studies. In: Journal of medical Internet research 23 (3), e23588. DOI: 10.2196/23588.

    [5] Elmadfa, Ibrahim; Leitzmann, Claus (2015): Ernährung des Menschen. 5., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Verlag Eugen Ulmer (UTB Ernährungswissenschaften, Ökotrophologie, Diätetik/Diätologie, 8036). Online verfügbar unter http://cm1.abcatalog.net/center/cm/cm_cm.php?v3156=1609422811&v8312=lehmanns.de&flash=1&v7376=9783825285524.

    [6] Fadó, Rut; Molins, Anna; Rojas, Rocío; Casals, Núria (2022): Feeding the Brain: Effect of Nutrients on Cognition, Synaptic Function, and AMPA Receptors. In: Nutrients 14 (19). DOI: 10.3390/nu14194137.

    [7] Fairbrass, Keeley M.; Lovatt, Jessica; Barberio, Brigida; Yuan, Yuhong; Gracie, David J.; Ford, Alexander C. (2022): Bidirectional brain-gut axis effects influence mood and prognosis in IBD: a systematic review and meta-analysis. In: Gut 71 (9), S. 1773–1780. DOI: 10.1136/gutjnl-2021-325985.

    [8] Firth, Joseph; Gangwisch, James E.; Borisini, Alessandra; Wootton, Robyn E.; Mayer, Emeran A. (2020): Food and mood: how do diet and nutrition affect mental wellbeing? In: BMJ (Clinical research ed.) 369, m2382. DOI: 10.1136/bmj.m2382.

    [9] Głąbska, Dominika; Guzek, Dominika; Groele, Barbara; Gutkowska, Krystyna (2020): Fruit and Vegetable Intake and Mental Health in Adults: A Systematic Review. In: Nutrients 12 (1). DOI: 10.3390/nu12010115.

    [10] Holding, Anne; Lavigne, Geneviève; Vermette, Laurence; Carbonneau, Noémie (2024): Motivation to regulate eating behaviors, intuitive eating, and well-being: A dyadic study with mothers and adult daughters. In: Appetite 199, S. 107403. DOI: 10.1016/j.appet.2024.107403.

    [11] Jacka, Felice N.; Kremer, Peter J.; Berk, Michael; Silva-Sanigorski, Andrea M. de; Moodie, Marjorie; Leslie, Eva R. et al. (2011): A prospective study of diet quality and mental health in adolescents. In: PloS one 6 (9), e24805. DOI: 10.1371/journal.pone.0024805.

    [12] Kenett, Yoed N.; Chatterjee, Anjan (2018): The Neuroscience of Well-Being: A General Framework and Its Relation to Humanistic Flourishing. In: Wohlbefinden / Well-Being.

    [13] Kris-Etherton, Penny M.; Petersen, Kristina S.; Hibbeln, Joseph R.; Hurley, Daniel; Kolick, Valerie; Peoples, Sevetra et al. (2021): Nutrition and behavioral health disorders: depression and anxiety. In: Nutrition reviews 79 (3), S. 247–260. DOI: 10.1093/nutrit/nuaa025.

    [14] Layard, Peter R. G.; Neve, Jan-Emmanuel de (2023): Wellbeing. Science and policy. Unter Mitarbeit von David Shrigley. Cambridge, United Kingdom, New York, NY: Cambridge University Press.

    [15] Muth, Anne-Katrin; Park, Soyoung Q. (2021): The impact of dietary macronutrient intake on cognitive function and the brain. In: Clinical nutrition (Edinburgh, Scotland) 40 (6), S. 3999–4010. DOI: 10.1016/j.clnu.2021.04.043.

    [16] Röhrle, Bernd (2018): Wohlbefinden / Well-Being.

    [17] Schacky, Clemens von (2021): Importance of EPA and DHA Blood Levels in Brain Structure and Function. In: Nutrients 13 (4). DOI: 10.3390/nu13041074.

    [18] Tingö, Lina; Bergh, Cecilia; Rode, Julia; Rubio, Maria Fernanda Roca; Persson, Jonas; Johnson, Linnea Brengesjö et al. (2024): The Effect of Whole-Diet Interventions on Memory and Cognitive Function in Healthy Older Adults – A Systematic Review. In: Advances in nutrition (Bethesda, Md.) 15 (9), S. 100291. DOI: 10.1016/j.advnut.2024.100291.

    [19] Veenhoven, Ruut (2021): Will Healthy Eating Make You Happier? A Research Synthesis Using an Online Findings Archive. In: Applied Research Quality Life 16 (1), S. 221–240. DOI: 10.1007/s11482-019-09748-7.

    [20] WHO Collaborating Center for Mental Health (2024): The World Health Organization-Five Well-Being Index (WHO-5). WHO. Online verfügbar unter https://www.who.int/publications/m/item/WHO-UCN-MSD-MHE-2024.01, zuletzt geprüft am 23.06.2025.

    [21] Zhang, Xiaobei; Ravichandran, Soumya; Gee, Gilbert C.; Dong, Tien S.; Beltrán-Sánchez, Hiram; Wang, May C. et al. (2024): Social Isolation, Brain Food Cue Processing, Eating Behaviors, and Mental Health Symptoms. In: JAMA network open 7 (4), e244855. DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2024.4855.

    [22] Zhao, Ziran; Xiao, Gui; Xia, Jieqiong; Guo, Honghua; Yang, Xiaoli; Jiang, Qian et al. (2023): Effectiveness of probiotic/prebiotic/synbiotic treatments on anxiety: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. In: Journal of affective disorders 343, S. 9–21. DOI: 10.1016/j.jad.2023.09.018.

  • Ist Gluten wirklich schädlich?

    Ist Gluten wirklich schädlich?

    Das wichtigste in Kürze:

    • Gluten ist ein Protein in Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel, das für die Elastizität von Teig sorgt.
    • Bei Zöliakie, Weizenallergie oder Dermatitis herpetiformis ist eine lebenslange glutenfreie Ernährung notwendig, um Schäden und Symptome zu vermeiden.
    • Eine glutenfreie Ernährung kann jedoch Nährstoffmängel, eine Veränderung des Darmmikrobioms und eine geringere Ballaststoffaufnahme verursachen, was gesundheitliche Risiken birgt.
    • Für andere Erkrankungen wie Hashimoto oder Nicht-Zöliakie-Weizensensitivität gibt es bisher keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege, dass glutenfreie Ernährung generell hilfreich ist.
    • Insgesamt besteht kein Grund, Gluten zu fürchten oder auf glutenhaltige Lebensmittel zu verzichten, solange keine medizinische Indikation besteht; eine ausgewogene Ernährung ist empfehlenswert.

    Wer sich mit Ernährung beschäftigt und/oder in den sozialen Medien unterwegs ist, der ist sicher auch schon einmal über das Thema Gluten gestolpert. Vor dem Weiterlesen frag dich gerne auch mal:

    Was verbindest du mit Gluten?

    Der schlechte Ruf von Gluten

    Für viele ist der Begriff Gluten, geprägt durch diverse Aussagen aus Medien, von Prominenten und Influencern, eher von negativen Assoziationen geprägt. Angeblich stört Gluten die Verdauung, sorgt für Entzündungen im Körper, bringt den Darm durcheinander, löst Unverträglichkeiten aus, sorgt für eine Gewichtszunahme und soll sogar Krankheiten auslösen, die mit dem Immunsystem zusammenhängen [1], [8], [12].

    Die angeblichen Vorteile einer glutenfreien Ernährung klingen dabei verlockend: mehr Energie im Alltag, reinere Haut, schnellere Gewichtsabnahme, Verbesserung der Symptome von anderen Erkrankungen wie Hashimoto [14], [12].  

    Auch die Wissenschaft beschäftigt sich mit dem möglichen Nutzen einer glutenfreien Ernährung für diverse Erkrankungen wie Reizdarmsyndrom, Depression, Autismus und Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto oder Diabetes Typ I [1]. Da es speziell bei Autoimmunerkrankungen ein immer höheres Aufkommen gerade in westlichen Industrienationen gibt, liegt es nahe, der dortigen Ernährungsweise eine Rolle bei der Entstehung zuzuschreiben [8]. Oft ist diese Ernährung reich an Transfetten, Zucker, Protein und Salz bei gleichzeitig geringer Zufuhr an Ballaststoffen [8]. Die Hypothese lautet, dass eine solche Ernährung zu entzündlichen Prozessen im Körper und somit zur Ausbildung von Störungen des Immunsystems führt [8]. Gluten wird hier als ein Faktor mitdiskutiert, der zu solchen chronischen Entzündungen beitragen könnte.

    All dies führt zu einem wachsenden Markt für glutenfreie Produkte und dem schlechten Ruf von Gluten. Immer mehr Menschen verzichten auf eigene Faust und ohne ärztlichen Rat einzuholen auf Gluten oder halten glutenfreie Produkte generell für gesünder [1], [11], [12], [16]. Neben Lebensmitteln gibt es darüber hinaus immer mehr Tests, welche angeblich Nahrungsmittelunverträglichkeiten, inklusive gegen Gluten, nachweisen können. Der Großteil dieser Tests ist dabei nicht wissenschaftlich validiert und somit für eine Diagnosestellung ungeeignet [16]. Es scheint also ein großes Interesse am Thema Unverträglichkeiten zu geben und das Vertrauen in Medien ist dabei mitunter größer als das in Ärzte oder Fachkräfte.

    Was ist Gluten?

    Was genau verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff „Gluten“ und in welchen Lebensmitteln steckt es?

    Gluten ist das sogenannte Kleber-Eiweiß, welches natürlicherweise in Weizen und anderen Getreidesorten wie Roggen, Gerste oder Dinkel vorkommt [2]. Genauer handelt es sich bei Gluten um eine Zusammensetzung aus sogenannten Prolaminen. Prolamine sind eine Gruppe aus alkohollöslichen Lektinen (eine spezielle Art von Proteinen), zu denen bei Weizen ganz besonders Gliadin und Glutenin gehören [1], [2]. Gluten ist somit eine Art Protein (=Eiweiß).

    Gluten hat gewisse Eigenschaften, die es zu einem so wichtigen Bestandteil für die Nutzung von Getreide in unserer Ernährung machen. Vor allem, wie der Name schon sagt, sind es die Klebe-Eigenschaften [2]. Ohne Gluten, und ganz besonders Gliadin und Glutenin, hätte unser Brot beispielsweise nicht die typische Konsistenz. Dem Teig würde seine Elastizität fehlen und er würde zerkrümeln. Schon im 6. Jahrhundert wurde Gluten in China bereits als Fleischersatz verwendet. Es kann durch die Klebe-Eigenschaft nämlich in verschiedene Formen verarbeitet werden, ist einfacher zu lagern als Milchprodukte oder Fleisch und zudem auch noch günstiger [1]. Das macht sich auch die Lebensmittelindustrie zu Nutze und so findet man Gluten häufig als Zutat in Fertiggerichten, um dort beispielsweise die Konsistenz von Saucen zu verbessern [2].

    Weizen deckt ca. 20% des weltweiten Kalorienkonsums und ist damit eine der global wertvollsten Nutzpflanzen der Welt [1]. Es ist reich an Nährstoffen. Neben komplexen Kohlenhydraten und Ballaststoffen enthält es je nach Sorte 9-18% Protein (Vollkornweizen enthält ~13g Protein auf 100g [14])  und verschiedene essenzielle Vitamine und Mineralstoffe wie Magnesium, Zink, Eisen, Vitamin E und B-Vitamine sowie sekundäre Pflanzenstoffe, welche antioxidativ wirken [1], [13], [14]. Dabei sind Vollkornprodukte generell nährstoffreicher als beispielsweise helles Weizenmehl, weil sie mehr Bestandteile des Getreides, inklusive der besonders ballaststoffhaltigen Randschichten, enthalten.

    Wann sollte man auf Gluten verzichten?

    Gluten ist also ein Bestandteil von Weizen, welches wiederum wichtige Nährstoffe liefert. Aus welchem Grund sollte man nun aber dennoch darauf verzichten? Auf welche Weise hat es eine schädliche Wirkung für den Körper? Dazu müssen wir zunächst einen Blick darauf werfen, was mit dem Gluten im Körper passiert.

    Wenn Gluten verdaut wird, dann wird es normalerweise in kleine Stücke aufgebrochen, die man „Peptide“ nennt [6]. Das beginnt bereits im Mund, wenn gekaut und das Essen mit Speichel vermischt wird. Im Magen geht es weiter und es erfolgt eine weitere Zerkleinerung des Glutens in seine Einzelbausteine. Diese Bausteine gelangen schließlich in den Dünndarm, wo sie mit Hilfe von Verdauungsenzymen aus der Bauchspeicheldrüse weiter zerlegt werden- oder eher gesagt zerlegt werden würden. Hier liegt nämlich nun die Besonderheit von Gluten. Es ist so aufgebaut, dass es für die Verdauungsenzyme im Dünndarm schwieriger zu zerlegen ist als andere Proteine. So kommt es, dass nicht vollständig zerlegte Bestandteile des Glutens im Darm weiterwandern. Um genau diese Reste geht es, wenn man von einer potenziell entzündlichen Wirkung von Gluten spricht. Hier gilt es nun allerdings zu unterscheiden. Bei gesunden Menschen haben diese nicht vollständig verdauten Bestandtele keine spürbare Auswirkung. Die Reste wandern in den Dickdarm und werden dort zum Teil noch weiter durch Bakterien zersetzt, oder eben ausgeschieden. Bei einigen Menschen jedoch lösen diese Reste eine Immunreaktion aus. Es werden Antikörper ausgeschüttet, welche wiederum eine Entzündungsreaktion im Dünndarm auslösen [5], [6]. So eine Störung des Immunsystems liegt bei einer Zöliakie vor. Das ist eine Autoimmunerkrankung, welche ca. 1% der Weltbevölkerung betrifft [1].

    Symptome und Folgen der Zöliakie

    Die dadurch entstehende chronische Entzündung im Dünndarm, genauer der Dünndarmschleimhaut geht mit verschiedenen Symptomen einher. Dazu gehören: Durchfall, Blähbauch, Übelkeit und Erbrechen [2]. Durch die Schädigung des Darms, dem ansonsten die wichtige Aufgabe der Verdauung zukommt, kommt es zudem zu verschiedenen Mangelzuständen bei Nährstoffen. Besonders betroffen sind Eisen, Folsäure, Vitamin B12, Calcium und Vitamin D. Solche Mangelzustände ziehen wiederum weitere Symptome, wie Abgeschlagenheit und Müdigkeit, und Erkrankungen wie Osteoporose (brüchige Knochen) nach sich [1].

    Diagnose und Therapie bei Zöliakie

    Die einzig wirkungsvolle bisher bekannte Therapie ist eine lebenslange glutenfreie Ernährung [1], [4]. Eine Zöliakie wird durch eine Anamnese der Symptome zusammen mit einem Bluttest, bei welchem auf nachweisbare Antikörper, sogenannte Transglutaminase-Immunglobulin A (tTG-IgA), getestet wird und eine Dünndarmbiopsie im Rahmen einer Magenspiegelung diagnostiziert [7]. Letztere dient auch dazu, das Ausmaß der Schädigung der Dünndarmschleimhaut zu ermessen. Um eine gesicherte Diagnose zu stellen ist es wichtig, dass davor ausreichend große Mengen Gluten gegessen werden, sonst sind keine Antikörper nachweisbar [7].

    Die durchgestrichene Ähre kennzeichnet Lebensmittel mit einem Glutengehalt von max. 20mg/kg

    Betroffene müssen ihr Leben lang alle glutenhaltigen Lebensmittel meiden und dürfen somit keine Produkte aus Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste, Emmer, etc. konsumieren [4]. Auch müssen sie lernen auf welche Kennzeichnungen sie bei anderen Lebensmitteln achten müssen, denen Gluten zugesetzt wurde. Auf diese Art kann sich der Dünndarm von Betroffenen in den meisten Fällen wieder erholen und die Symptome gehen zurück bzw. verschwinden ganz [1].

    Weizenallergie und weitere Ekrankungen

    Neben einer Zöliakie müssen auch Menschen, bei denen eine Weizenallergie vorliegt, auf Weizen und meist auch auf andere glutenhaltige Getreidesorten verzichten. Betroffene zeigen schwere Magen-Darm-Symptome und/oder Kreislaufprobleme nach dem Verzehr von Weizen. Eine Allergie wird in der Regel durch Auslassdiät und gezielte Provokation, also dem absichtlichen Essen von Weizen, oder durch einen sogenannten Hautpricktest mit Weizenextrakt diagnostiziert [7].

    In seltenen Fällen liegt eine sogenannte „Weizenabhängige anstrengungsinduzierte Anaphylaxie“ vor, bei welcher es zu schweren Symptomen kommt, wenn Weizen kurz vor- oder nach einer körperlichen Anstrengung verzehrt wird. Betroffene dürfen deshalb ca. vier Stunden vor- und zwei Stunden nach körperlicher Anstrengung keine glutenhaltigen Lebensmitteln verzehren [4].

    Zuletzt konnte auch bei einer Hauterkrankung mit dem Namen Dermatitis herpetiformis, welche häufig gleichzeitig mit Zöliakie vorkommt, eine glutenfreie Ernährung eine deutlich Symptomverbesserung zeigen und wird deshalb empfohlen [1].

    Was sind die Risiken und Nachteile einer glutenfreien Ernährung?

    Gluten und alle glutenhaltigen Lebensmittel aus der Ernährung zu verbannen ist ein großer Einschnitt in den Alltag und bedarf in der Regel professionelle Unterstützung, da glutenhaltiges Getreide ein Grundnahrungsmittel ist und Gluten generell als Zutat in vielen Lebensmitteln vorkommt [1].

    Veränderungen im Mikrobiom: Rein physiologisch bedeutet das Weglassen diverser Getreidesorten, dass hier wichtige Ballaststoffquellen und Quellen für essenzielle Nährstoffe wegfallen [5]. Ballaststoffe sind die Nahrung für unser Darmmikrobiom, der Bakterienbesiedlung im Darm. Das Mikrobiom beeinflusst diverse Stoffwechselprozesse im Körper und hat beispielsweise Einfluss auf das Immunsystem und den Fettstoffwechsel in der Leber. Die Bakterienzusammensetzung im Mikrobiom ist beispielsweise auch für einen nachhaltigen Gewichtsverlust entscheidend [3]. Studien konnten zeigen, dass das Mikrobiom bei Zöliakiepatienten, die sich glutenfrei ernähren, ein Ungleichgewicht zeigt [1], [4], [7]. Auch bei Studien an gesunden Menschen, waren bei glutenfreier Ernährung weniger gesundheitsförderliche und mehr schädliche Bakterien im Darm nachweisbar [4].

    Verdauungsstörungen: Eine geringere Aufnahme an Ballaststoffen hat zudem auch negative Auswirkungen auf die Verdauung und begünstigt Erkrankungen wie Verstopfung und Divertikulose [5].

    Nährstoffmangel: Studien, welche die Nährstoffversorgung bei glutenfreier Ernährung untersuchten, zeigten, dass es hierbei häufig zu einer Unterversorgung mit B-Vitaminen, Folsäure, Zink, Magnesium und Calcium kommt [7], [5]. Auch weisen speziell glutenfreie Lebensmittel, wie Fertigbackwaren, häufig eine eher ungünstige Nährstoffverteilung im Vergleich zu den herkömmlichen Produkten auf [5].

    Ungünstige Makronährstoffverteilung: Bei glutenfreier Ernährung zeigte sich in Studien eine ungünstige Verteilung von Makronährstoffen zugunsten von Fett, vor allem gesättigten Fettsäuren, und Protein bei gleichzeitigem Mangel an Ballaststoffen [5]. Das kann zu einer Gewichtszunahme und damit einhergehenden Erkrankungen wie Fettleber und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen [7], [10]. Tatsächlich zeigte eine Studie eine Gewichtszunahme bei 27% der Teilnehmer (mit Zöliakie) nach 2,8 Jahren glutenfreier Ernährung [13] und auch andere Studien belegen diese Tendenz [1].

    Kosten: Speziell glutenfreie Produkte sind häufig deutlich teurer als die glutenhaltigen Varianten. [1]

    Lebensqualität: Es ist herausfordernd Gluten wegzulassen, vor allem wenn man unterwegs oder eingeladen ist. Besuche und Reisen müssen vorausgeplant werden und ggf. können nur mitgebrachte Speisen verzehrt werden. Das ist für viele von Zöliakie betroffene eine Belastung und kann dazu führen, dass soziale Events aufgrund dessen abgesagt werden [12].

    Restriktion:  Das Verbot bestimmte, möglicherweise vormals besonders favorisierte, Lebensmittel genießen zu dürfen geht zwangsweise mit Restriktion einher. Das kann von Unmut und psychischer Belastung bis hin zur Ausbildung von Essstörungen wie Orthorexia Nervosa führen [1], [12].

    Wo wird dennoch eine glutenfreie Ernährung diskutiert?

    Für die im vorletzten Abschnitt beschriebenen Erkrankungen liegt eine eindeutige Evidenz vor, dass eine glutenfreie Ernährung den Zustand der Betroffenen verbessert und mehr Vor- als Nachteile bietet. Das bedeutet hier gibt es ausreichend wissenschaftliche Belege durch Studien, um das Weglassen von Gluten zu rechtfertigen, trotz aller eben genannter Nachteile. Es gibt jedoch einige weitere Erkrankungen oder Symptombilder, bei denen eine glutenfreie Ernährung als hilfreiche Strategie diskutiert wird.

    Nicht-Zöliakie-Weizen-Sensitivität (NCWS):

    Eine NCWS liegt vor, wenn beim Konsum von Weizen ähnliche Symptome wie bei einem Reizdarmsyndrom verspürt werden wie Blähbauch, Verstopfung, Völlegefühl und Durchfall, eine Zöliakie jedoch nicht diagnostiziert werden konnte [1]. Aktuell gibt es keine Biomarker, also Blutwerte oder ähnliches, um hier eine gesicherte Diagnose zu stellen [4], [7]. Betroffene berichten allerdings von einer Verbesserung der Symptome, sobald sie sich glutenfrei ernähren [4]. Nun könnte man davon ausgehen, dass eine glutenfreie Ernährung hier das Mittel der Wahl sein könnte. Allerdings ist bisher gar nicht sicher und tatsächlich eher fragwürdig, ob wirklich Gluten der Auslöser der Beschwerden ist. Auch andere Weizenbestandteile, wie Amylase/Trypsin-Inhibitoren oder FODMAPS (Stoffe, die auch bei Reizdarmpatienten häufig zu Beschwerden führen und in diversen Lebensmitteln stecken) oder die Art der Verarbeitung der Lebensmittel kommen in Frage [4], [7]. So konnten auch in Studien keine eindeutigen Ergebnisse erzielt werden. Teilnehmer mit NCWS konnten in verblindeten Studien Gluten häufig nicht sicher als Auslöser ihrer Beschwerden identifizieren [1], [12]. Auch bei Reizdarmpatienten ist eine FODMAP-arme Ernährung offenbar wirkungsvoller bei der Symptomlinderung als eine glutenfreie Ernährung [10]. Aufgrund dieser Unklarheiten verbunden mit den Nachteilen einer glutenfreien Ernährung wird eine lebenslange Einhaltung einer glutenfreien Ernährung bei NCWS somit nicht empfohlen [7], [12]. Stattdessen kann mit der Hilfe einer Ernährungsfachkraft eine gewisse Zeit eine Auslassdiät erfolgen, also bestimmte glutenhaltige Lebensmittel weggelassen werden, um individuelle Beschwerdeauslöser zu identifizieren [7].

    Hashimoto Thyreoiditis:

    Auch bei Hashimoto Thyreoiditis handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem führt eine Fehlreaktion aus und so kommt es zur Bildung von Antikörpern gegen die Schilddrüse, welche sich dadurch chronisch entzündet. Tatsächlich kommen Zöliakie und Hashimoto häufiger gleichzeitig vor, weshalb es grundsätzlich sinnvoll sei kann, beim Vorliegen einer der beiden Erkrankungen und entsprechenden Symptomen auch auf die andere zu testen [15]. Hashimoto äußert sich besonders durch Erschöpfungszustände, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Kälteempfindlichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Gewichtszunahme, da die Schilddrüse sich aufgrund der chronischen Entzündung in einer Unterfunktion befindet. Häufig liest und hört man die Empfehlung, als Betroffener Gluten aus der Ernährung zu streichen, um weitere Entzündungen im Körper zu vermeiden. Hierzu liegen mehrere Studien vor, die untersucht haben, welche Auswirkungen eine glutenfreie Ernährung auf die Erkrankung hat. Tatsächlich zeigte sich, dass in mehreren Fällen durch das Weglassen von Gluten weniger Antikörper gegen die Schilddrüse nachweisbar waren, was erst einmal sehr positiv klingt [9], [11], [15]. Was sich allerdings nicht dadurch änderte, war das, was am Ende wirklich die Beschwerden auslöst: Die Menge an nachweisbaren aktiven Schilddrüsenhormonen im Blut [8], [9], [15]. Die glutenfreie Ernährung hatte somit keine positiven Auswirkungen auf die Aktivität der Schilddrüse und wird aus diesem Grund und da die Nachteile der glutenfreien Ernährung überwiegen nach aktuellem Forschungsstand auch nicht bei Hashimoto empfohlen [9], [11], [15].  Stattdessen lautet hier die Ernährungsempfehlung eine pflanzenbetonte und damit anti-entzündliche Ernährung anzustreben und auf die Versorgung mit kritischen Nährstoffen wie Selen, Jod, Magnesium und Kupfer zu achten [15].

    Erschöpfung und Abgeschlagenheit können sowohl Symptome von Hashimoto, als auch einer Zöliakie sein.

    Fazit

    Gluten hat vor allem vermittelt durch Medien und durch nicht korrekte Auslegungen von Studien einen schlechten Ruf in der Gesellschaft. Immer mehr Menschen verbinden schon mit dem Begriff etwas gesundheitsschädliches und viele entscheiden sich ohne ärztliches Anraten für eine glutenfreie Ernährung. Sie erhoffen sich eine Verbesserung von Symptomen anderer Erkrankungen oder wollen sich dadurch allgemein fitter fühlen, besser abnehmen oder ihr Hautbild verbessern. Dabei gibt es viele Nachteile einer solch eingeschränkten Ernährungsform und keine Studien, die einen ausreichenden Beleg für die versprochenen Wirkungen liefern könnten. Ganz im Gegenteil in einigen Fällen sogar, wie am Beispiel „Besser Abnehmen“. Studien zeigen eher die Tendenz für eine Zunahme bei einer glutenfreien Ernährung [13]. Auch kann eine geringere Ballaststoffaufnahme, welche oft mit glutenfreier Ernährung einhergeht, das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und hat Auswirkungen auf das Mikrobiom im Darm [13].

    Schneller abnehmen durch glutenfreie Ernährung? Ein Mythos ohne wirkliche Belege.

    Dazu muss natürlich gesagt werden, dass auch bei einer glutenfreien Ernährung eine adäquate Nährstoffversorgung möglich ist. Diese sollte aber im besten Fall mit einer Ernährungsfachkraft sichergestellt und zu viele glutenfreie Fertigprodukte dabei vermieden werden.  In einer ausgewogenen glutenfreien Ernährung sollten pflanzliche Lebensmittel wie Nüsse, Gemüse, Obst und glutenfreie Vollkorngetreide oder Pseudogetreide, wie Quinoa oder Amaranth, Buchweizen oder Vollkornreis im Vordergrund stehen. Auch Milchprodukte spielen eine wichtige Rolle für die Calciumversorgung [5]. Es gilt hier also auf einige Dinge zu achten.

    Gluten ist in heutigen Weizenarten übrigens nicht in größeren Mengen vertreten, wie immer wieder behauptet wird. Die Mengen an Gluten in Getreide sind über die Jahre relativ unverändert geblieben [13].

    Was können wir schlussfolgern? Es gibt keinen Grund Gluten zu fürchten oder darauf zu verzichten, sofern nicht Zöliakie oder eine der anderen genannten Erkrankungen vorliegen. Diese sind selten und lassen sich bei Verdacht darauf gut und eindeutig diagnostizieren. Wenn du also einen Verdacht hast oder Symptome verspürst, dann empfehle ich dir ein Beschwerdetagebuch zu führen und den Gang zum Arzt, um ernsthafte Folgeschäden zu vermeiden.

    Die angeblichen Gesundheitsvorteile einer glutenfreien Ernährung lassen sich nicht durch Studien belegen und es gibt Nachteile und Risiken, die damit einhergehen können. Ganz besonders, wenn eine glutenfreie Ernährung auf eigene Faust und ohne Beratung eingeführt wird.

    Quellen:

    [1] Aljada, Bara; Zohni, Ahmed; El-Matary, Wael (2021): The Gluten-Free Diet for Celiac Disease and Beyond. In: Nutrients 13 (11). DOI: 10.3390/nu13113993.

    [2] Antwerpes, Dr. Frank et. al. (2013): Gluten. Online verfügbar unter https://flexikon.doccheck.com/de/Gluten, zuletzt aktualisiert am 21.05.2013, zuletzt geprüft am 12.05.2025.

    [3] Bischoff, Stephan C.; Nguyen, Nguyen K.; Seethaler, Benjamin; Beisner, Julia; Kügler, Philipp; Stefan, Thorsten (2022): Gut Microbiota Patterns Predicting Long-Term Weight Loss Success in Individuals with Obesity Undergoing Nonsurgical Therapy. In: Nutrients 14 (15). DOI: 10.3390/nu14153182.

    [4] Caio, Giacomo; Lungaro, Lisa; Segata, Nicola; Guarino, Matteo; Zoli, Giorgio; Volta, Umberto; Giorgio, Roberto de (2020): Effect of Gluten-Free Diet on Gut Microbiota Composition in Patients with Celiac Disease and Non-Celiac Gluten/Wheat Sensitivity. In: Nutrients 12 (6). DOI: 10.3390/nu12061832.

    [5] Cardo, Aner; Churruca, Itziar; Lasa, Arrate; Navarro, Virginia; Vázquez-Polo, Maialen; Perez-Junkera, Gesala; Larretxi, Idoia (2021): Nutritional Imbalances in Adult Celiac Patients Following a Gluten-Free Diet. In: Nutrients 13 (8). DOI: 10.3390/nu13082877.

    [6] Daley, Sharon F.; Posner, Ewa B.; Haseeb, Muhammad (2025): StatPearls. Celiac Disease. Treasure Island (FL).

    [7] Felber, Jörg; Bläker, Hendrik; Fischbach, Wolfgang; Koletzko, Sibylle; Laaß, Martin; Lachmann, Nils et al. (2022): Aktualisierte S2k-Leitlinie Zöliakie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). In: Zeitschrift fur Gastroenterologie 60 (5), S. 790–856. DOI: 10.1055/a-1741-5946.

    [8] Laganà, Martina; Piticchio, Tommaso; Alibrandi, Angela; Le Moli, Rosario; Pallotti, Francesco; Campennì, Alfredo et al. (2025): Effects of Dietary Habits on Markers of Oxidative Stress in Subjects with Hashimoto’s Thyroiditis: Comparison Between the Mediterranean Diet and a Gluten-Free Diet. In: Nutrients 17 (2). DOI: 10.3390/nu17020363.

    [9] Moshawih, Said; Abdullah Juperi, Rabi’atul Nur Amalia; Paneerselvam, Ganesh Sritheran; Ming, Long Chiau; Liew, Kai Bin; Goh, Bey Hing et al. (2022): General Health Benefits and Pharmacological Activities of Triticum aestivum L. In: Molecules (Basel, Switzerland) 27 (6). DOI: 10.3390/molecules27061948.

    [10] Osowiecka, Karolina; Myszkowska-Ryciak, Joanna (2023): The Influence of Nutritional Intervention in the Treatment of Hashimoto’s Thyroiditis-A Systematic Review. In: Nutrients 15 (4). DOI: 10.3390/nu15041041.

    [11] Pessarelli, Tommaso; Sorge, Andrea; Elli, Luca; Costantino, Andrea (2022): The low-FODMAP diet and the gluten-free diet in the management of functional abdominal bloating and distension. In: Frontiers in nutrition 9, S. 1007716. DOI: 10.3389/fnut.2022.1007716.

    [12] Piticchio, Tommaso; Frasca, Francesco; Malandrino, Pasqualino; Trimboli, Pierpaolo; Carrubba, Nunzia; Tumminia, Andrea et al. (2023): Effect of gluten-free diet on autoimmune thyroiditis progression in patients with no symptoms or histology of celiac disease: a meta-analysis. In: Frontiers in endocrinology 14, S. 1200372. DOI: 10.3389/fendo.2023.1200372.

    [13] Reese, Imke; Schäfer, Christiane; Kleine-Tebbe, Jörg; Ahrens, Birgit; Bachmann, Oliver; Ballmer-Weber, Barbara et al. (2018): Nicht-Zöliakie-Gluten-/Weizen- Sensitivität (NCGS) – ein bislang nicht definiertes Krankheitsbild mit fehlenden Diagnosekriterien und unbekannter Häufigkeit. Positionspapier der Arbeitsgruppe Nahrungsmittelallergie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). In: Ernährungs Umschau (11), M634-638. Online verfügbar unter https://www.ernaehrungs-umschau.de/print-artikel/14-11-2018-nicht-zoeliakie-gluten-weizen-sensitivitaet-ncgs-ein-bislang-nicht-definiertes-krankheitsbild-mit-fehlenden-diagnosekriter/, zuletzt geprüft am 01.04.2025.

    [14] Sabença, Carolina; Ribeiro, Miguel; Sousa, Telma de; Poeta, Patrícia; Bagulho, Ana Sofia; Igrejas, Gilberto (2021): Wheat/Gluten-Related Disorders and Gluten-Free Diet Misconceptions: A Review. In: Foods (Basel, Switzerland) 10 (8). DOI: 10.3390/foods10081765.

    [15] Szczuko, Małgorzata; Syrenicz, Anhelli; Szymkowiak, Katarzyna; Przybylska, Aleksandra; Szczuko, Urszula; Pobłocki, Jakub; Kulpa, Danuta (2022): Doubtful Justification of the Gluten-Free Diet in the Course of Hashimoto’s Disease. In: Nutrients 14 (9). DOI: 10.3390/nu14091727.

    [16] Zingone, Fabiana; Bertin, Luisa; Maniero, Daria; Palo, Michela; Lorenzon, Greta; Barberio, Brigida et al. (2023): Myths and Facts about Food Intolerance: A Narrative Review. In: Nutrients 15 (23). DOI: 10.3390/nu15234969.

  • Kontrollverlust beim Essen stoppen durch Achtsames Essen

    Kontrollverlust beim Essen stoppen durch Achtsames Essen

    Wer sich oft nach einem langen Tag abends auf dem Sofa mit Chips, Schokolade und co. wiederfindet, der versucht zumeist erst einmal genau dieses Verhalten gezielt zu bekämpfen. Es werden Alternativen gesucht oder die „Versuchungen“ werden aus dem Haus verbannt. Der Kern des Problems wird so allerdings leider nicht wirklich bearbeitet, denn der zurückliegende Tag bis zum Abend wird völlig außer Acht gelassen.

    Snacking als Belohnung nach einem langen Tag abends auf dem Sofa kann zur Herausforderung werden, wenn es zur Regel wird.

    Was und wie wurde hier eigentlich gegessen? War es vielleicht viel zu wenig? Wurde nur nebenbei schnell am Rechner bei der Arbeit gegessen, zwischen zwei Meetings gequetscht? Oder möglicherweise gar nicht, weil die Kinder heute einfach zu viel Aufmerksamkeit verlangt haben?

    Im eigenen Verhalten liegt meistens der tatsächliche Grund, warum es überhaupt zu Heißhungerattacken und Kontrollverlust kommt.

    Die gute Nachricht: Daran lässt sich etwas verändern!

    Achtsames Essen kann dir dabei helfen und ist ein mittlerweile durch zahlreiche Studien belegter Ansatz, um gestörtes Essverhalten, besonders unkontrolliertes Essen und Heißhungerattacken  [1], [3], [5], aber auch übermäßig restriktives Essverhalten [3], [4] und emotionales Essen [3] zu verringern. Dadurch hilft es auch, das Körpergewicht langfristig stabil zu halten [2]  und ist eine hilfreiche Ergänzung, wenn du abnehmen möchtest [3], [6] [7].

    Was ist Achtsames Essen?

    Achtsamkeit ist ein aus dem Buddhismus entlehnter Begriff und bedeutet bewusst im Hier und Jetzt bleiben, das heißt Gedanken und Empfindungen wahrzunehmen, ohne diese dabei zu werten [8]. Das Konzept wird bereits in verschiedenen therapeutischen Ansätzen angewendet, um beispielsweise Stress und Ängste zu reduzieren [8].

    Achtsames Essen (engl. Mindful Eating) wurde zuerst in der Behandlung von Binge Eating-Essstörungen angewendet [8]. Dabei geht es darum, die eigenen Anreize zum Essen und die Gedanken und Empfindungen zum Essen mit voller Aufmerksamkeit und bewusst wahrzunehmen und diese Eindrücke nicht zu bewerten. Lernen, Gelüste zu akzeptieren, anstatt sie zu verteufeln und zu bekämpfen, ist dabei ein wichtiger Bestandteil des Konzepts.

    Damit können die Zufriedenheit mit dem Essen und so auch das Sättigungsgefühl verbessert werden, was wiederum zu weniger Heißhungerattacken und obsessiven Gedanken rund ums Essen führt.

    Wie funktioniert es?

    Um achtsamer beim Essen zu sein, habe ich hier ein paar Tipps für dich:

    1. Nimm dir zeit zum essen

    Wenn du dein Essen hinunterschlingst, dann nimmst du dir die Chance es wirklich bewusst wahrzunehmen. Nimm dir stattdessen Zeit, räume diese Zeit auch in deine Tagesplanung ein und mach das Essen zu einer Priorität. Leg nebenbei auch ruhig mal das Geschirr beiseite und kaue vollständig auf, bevor du den nächsten Bissen nimmst. Du kannst dir auch einen Timer stellen und so lernen, wirklich ca. 20 Minuten für eine Hauptmahlzeit aufzuwenden. Bleib so lange sitzen, auch wenn du schon aufgegessen hast, um dich daran zu gewöhnen.

    2. Lerne deinen hunger einzuschätzen

    Um bewusste Entscheidungen treffen zu können ist ein wichtiger Bestandteil von achtsamem Essen, den eigenen Hunger bewusst wahrnehmen und eigene Anreize zum Essen einschätzen zu können.

    Du kannst die Hungerskala nutzen, um dein Hungerlevel einzuschätzen und Signale deines Körpers kennenzulernen. Frage dich vor dem Essen: Wie hungrig bin ich? Und danach: Wie steht es jetzt um meinen Hunger? Auch zwischendurch, wenn du die Hälfte deines Tellers gegessen hast, kannst du dein Hungerlevel einschätzen.

    So lernst du beim Essen darauf zu achten, wie viel du eigentlich brauchst. Beende die Mahlzeit idealerweise dann, wenn du bei 7 auf der Skala angekommen bist – egal, wie viel noch auf dem Teller liegt. Du kannst jederzeit später noch etwas essen, wenn du Hunger bekommen solltest.

    3. Feste Mahlzeiten einhalten

    Lässt du Mahlzeiten aus, weil keine Zeit ist oder du ja „eh keinen Hunger hast“, so kann das schnell in Heißhunger am Ende des Tages münden. Das Hungergefühl kann durch Alltagsstress unterdrückt werden und so nimmt man dieses möglicherweise gar nicht mehr wahr. Auch wenn der Hunger also nicht so groß ist: Gib deinem Körper Sicherheit und bau dir feste Mahlzeiten in deinen Tag ein. Schau, wie groß dein Hunger ist und wie groß (oder eben auch klein) die Portion dann ausfallen sollte.

    4. Ablenkungen vermeiden

    Das ist sicherlich für die meisten nichts neues, aber vermeide so gut wie möglich Ablenkungen beim Essen.

    Such dir einen schönen Platz, nicht am Arbeitsplatz oder vor dem Fernseher, und fokussiere dich ganz bewusst auf dein Essen.

    Eine willkommene „Ablenkung“ wäre übrigens Gesellschaft. Gemeinsames Essen sorgt dafür, dass der Genussfaktor steigt und du dir automatisch mehr Zeit nimmst.

    5. Iss, was dir schmeckt!

    Nicht zuletzt sollte der Genuss beim Essen nicht zu kurz kommen. Isst du Dinge, nur weil sie vermeintlich besser für dich sind, die du aber nicht magst oder auf die du gar keine Lust hast, so wirst du dich möglicherweise schnell danach auf der Suche nach einer Belohnung wiederfinden: Dem, was dich wirklich zufriedengestellt hätte. Lerne also bewusst auf Geschmack, Konsistenz, Temperatur, etc. deines Essens zu achten und schau, wo deine Präferenzen liegen. Selbstverständlich ohne hierbei wertend zu werden. Mach Genuss beim Essen zu einer Priorität und gib dich nicht mit weniger zufrieden.

    6. Nimm deine Empfindungen bewusst wahr

    Hast du schon einmal bewusst darauf geachtet, wie es dir vor oder nach dem Essen geht? Fühlst du dich zum Beispiel müde oder wach? Fit oder eher schlapp? Welche Lebensmittel tun dir gut? Welche eher nicht? Im Konzept Achtsamkeit geht es im Kern immer wieder darum, eigene Empfindungen und Gedanken bewusst wahrzunehmen. Schärfe also dein Bewusstsein dafür, was in dir und deinem Körper vorgeht und lenke deine Aufmerksamkeit immer wieder darauf. So lernst du bewusste Entscheidungen bei der Auswahl deiner Mahlzeiten und deren Frequenz zu treffen.

    Nun hast du einige Tipps zum Achtsamen Essen bekommen. Wie bei jedem Veränderungsprozess ist es auch hier die Langfristigkeit der Umsetzung, die den spürbaren Unterschied macht. Bleib dran und du wirst sehen, welche Fortschritte du mit diesem Konzept für dein Wohlbefinden machen kannst!

    Wenn du dir noch mehr Unterstützung auf dem Weg wünschst, dann kontaktiere mich gerne.

    Viel Spaß beim Ausprobieren!

  • Die Grundlagen einer gesunden Ernährung

    Die Grundlagen einer gesunden Ernährung

    Ernährung ist sprichwörtlich in aller Munde. Wir alle müssen uns ernähren, keine Frage. Beginnt man aber sich mehr über gesunde Ernährung zu informieren, so tut sich schnell eine regelrechte Flut an Informationen auf.

    „Iss dies jeden Tag, das hier aber auf keinen Fall und jenes unter keinen Umständen! Dieses Lebensmittel verbessert deine Denkleistung, dieses jedoch wird dich krank machen. Du solltest nur zu bestimmten Zeiten essen, Kohlenhydrate machen müde, Fett macht fett.“

    Mythen und Panikmache finden sich überall: Im Internet und auf sozialen Medien, die eine entscheidende Rolle bei der Suche nach Ernährungsinformationen spielen [1]. In diesem Dschungel aus Informationen kann man leicht den Überblick verlieren und verrennt sich dann womöglich in Details, die einen weit weg von der eingangs so unschuldigen Frage treiben:

    „Was ist denn nun eine gesunde Ernährung? Worauf kann ich achten?“

    Dabei muss es so kompliziert nicht sein. Die wichtigsten Bausteine einer gesunden Ernährung sind gut erforscht und viel einfacher umzusetzen, wie so manche:r es klingen lässt. Damit will ich nicht sagen, dass es keine wichtigen neuen Erkenntnisse aus der Wissenschaft gibt. Beispielsweise wird zur Wirkung von Ballaststoffen aktuell viel geforscht und wichtige Erkenntnisse gewonnen. Die Basis einer ausgewogenen Ernährung bleibt dennoch gut nachprüfbar und wird sich auf unbestimmte Zeit auch nicht drastisch verändern.

    Plötzlich komplett revolutionäre Ernährungsansätze oder Verbote für Lebensmittel sollten daher immer kritisch hinterfragt werden. Wenn man informiert bleiben will, dann ist es wichtig auf verlässliche Quellen zu achten. Wer steckt hinter den? Welchen Hintergrund und welche Qualifikation hat der Autor oder die Autorin? Soll hier womöglich etwas verkauft werden? Da lohnt es sich etwas genauer hinschauen, die zitierten Studien lesen oder im Zweifel jemanden fragen, der sich mit der Materie auskennt.

    Wer im Internet nach gesunder Ernährung sucht, findet eine Flut an Ergebnissen – die sich zum Teil widersprechen und verwirren können.

    Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen möchte ich hier nun einmal die Basis einer gesunden Ernährung aufzeigen. Die Dinge, auf die es wirklich ankommt, und wie du sie ganz einfach umsetzen kannst:

    1. Energiebedarf

    Damit unser Körper jeden Tag viel für uns leisten kann, braucht er Energie. Die bekommt der aus dem Essen. Grundsätzlich wird Energie aus Lebensmittel in „Kilokalorien = kcal“ gemessen. Jeder Mensch hat einen individuellen Energieverbrauch, den man ungefähr bestimmen kann. Bei Frauen liegt er häufig um die 2.000 kcal und bei Männern etwas höher, um die 2.500 kcal. Dies sind allerdings sehr pauschale Angaben und Dinge wie das Alter, die Körperzusammensetzung und die Aktivität haben unter anderem einen Einfluss auf den Energieverbrauch [2].

    2. Nährstoffbedarf

    Wie viel Energie in Lebensmitteln steckt, hängt von deren Zusammensetzung ab. Es werden drei wichtige Makronährstoffe unterschieden. Die heißen so, weil sie die Hauptenergielieferanten aus der Nahrung darstellen:

    MakronährstoffEnergiegehalt je 1 Gramm
    Protein (= Eiweiß)4 kcal
    Fett9 kcal
    Kohlenhydrate4 kcal

    Fett liefert unserem Körper mehr Energie als Protein oder Kohlenhydrate. Alle drei erfüllen wichtige Aufgaben für den Körper. Deshalb ist es auch weder sinnvoll noch nötig, auf deinen davon zu verzichten:

    Protein steckt sowohl in tierischen als auch pflanzlichen Quellen.

    Protein

    Protein, oder auch Eiweiß, ist wichtig, damit unser Körper daraus körpereigenes Protein herstellen kann. Das steckt nicht nur in Muskeln, weshalb viele Sportler auf ihre Proteinzufuhr achten. Auch im Blut, für Hormone oder in unserem Immunsystem sind Proteine unter anderem ein wichtiger Bestandteil.

    Protein steckt in tierischen, wie auch pflanzlichen Lebensmitteln. Beispiele für tierische sind Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte. Pflanzliche Quellen sind zum Beispiel Tofu, Nüsse und Hülsenfrüchte. [3]

    Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 0,8g Protein je Kilogramm Körpergewicht. Da eine proteinreiche Ernährung diverse positive Effekte hat, wie zum Beispiel längere Sättigung, würde ich diese Menge jedoch eher als Mindestmenge betrachten und eher zu ~ 1-1,5g/kg Körpergewicht raten [7]. Da wir in Deutschland kein Proteinmangelland sind, ist es übrigens in der Regel nicht notwendig, extra High-Protein-Produkte zu konsumieren.

    Fett

    Fett liefert nicht Energie, es ist auch wichtig für die Gehirnfunktion und die Bildung von Hormonen, welche unter anderem für den Stoffwechsel entscheidend sind. Bestimmte Fette sind zudem wichtig für die Herzgesundheit. Bei Letzteren handelt es sich um die essenziellen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren: Omega-6 und Omega-3.

    Es gibt also unterschiedliche Sorten von Fetten. Einige sind essenziell und andere nicht. Essenzielle Fettsäuren, das sind ungesättigte Fettsäuren, haben gesundheitsfördernde Auswirkungen, während nicht essenzielle in zu großer Menge unserer Gesundheit schaden können. Essenzielle Fettsäuren stecken vor allem in fettreichem Fisch, Nüssen, Kernen und pflanzlichen Ölen. Gesättigte Fettsäuren und Transfette stecken hingegen eher in Dingen wie Wurstwaren, Kuchen, Keksen und frittierten Produkten.

    Fette sollten ca. 30% der täglichen Energiemenge ausmachen. Das sind je nach Bedarf häufig zwischen 60-90g pro Tag [4].

    Ungesättigte Fettsäuren stecken in vielen pflanzlichen Lebensmitteln, aber auch in Fisch, Eiern und anteilig in Milchprodukten.
    Kohlenhydrate wie Reis, Vollkornprodukte und Kartoffeln sind die Hauptenergiequelle für unseren Körper.

    Kohlenhydrate

    Kohlenhydrate sind unter den Makronährstoffen die Hauptenergielieferanten. Hieraus kann unser Körper besonders effizient Energie gewinnen.

    Einige sind aus längeren Ketten aufgebaut, sogenannte „Mehrfachzucker“, und andere sind Einfachzucker. Erstere enthalten in der Regel mehr Nährstoffe und halten auch besser satt. Es ist wichtig, diesen Unterschied zu kennen, denn aktuell haben Kohlenhydrate einen schlechten Ruf als Heißhunger-Verursacher. Dabei sind ballaststoffreiche Mehrfachzucker gesund und tragen zur Sättigung bei.

    Energie liefern ist Hauptaufgabe der Kohlenhydrate. Da der Körper aber theoretisch auch Energie aus Protein und Fett beziehen kann, sind Kohlenhydrate nicht auf die Art essenziell, wie die anderen beiden Makronährstoffe. Nun sollte man sie deshalb aber nicht weglassen. Sie ermöglichen es, dass Protein und Fett ihre anderen wichtigen Funktionen im Körper ausüben können und eben nicht für reine Energiegewinnung „draufgehen“. Auch regulieren gerade die Mehrfachzucker den Blutzuckerspiegel.

    Ballaststoffe sind zudem ebenfalls eine Art Kohlenhydrate und haben viele gesundheitsfördernde Eigenschaften. Sie bringen zum Beispiel die Verdauung in Schwung, halten lange satt und sind wichtig für die Darmgesundheit [5]. Gute Quellen für Ballaststoffe sind Vollkornprodukte, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst. Kohlenhydrate sollten ca. die Hälfte der täglich aufgenommenen Energiemenge ausmachen, also den Großteil.

    Mikronährstoffe

    Unter Mikronährstoffe fallen Vitamine und Mineralstoffe. Wie der Name schon vermuten lässt, sind Mikronährstoffe keine Hauptenergielieferanten. Sie üben verschiedene, jedoch sehr wichtige Funktionen für den Körper aus und halten ihn damit am Laufen. Manche sind wichtig für gesunde Zähne und Knochen, andere sorgen für gute Laune oder Schlaf und wieder andere sind wichtig für den Energiestoffwechsel oder den Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt.

    Sie kommen je nach Sorte in vielen verschiedenen Lebensmitteln vor. Besonders reich an bestimmten Vitaminen sind zum Beispiel Gemüse und Obst. Aber auch Milchprodukte, Nüsse, Kerne, Fleisch, Hülsenfrüchte und diverse andere Lebensmittel liefern Mikronährstoffe [6].

    Nun muss man hier aber nicht „Mikromanagement“ verfallen. Achtet man auf eine ausgewogene Ernährung mit vielfältigem Gemüse und Obst, ist man in der Regel gut mit Mikronährstoffen versorgt. Es gibt natürlich Ausnahmen, wie bestimmte Ernährungsformen oder Erkrankungen.

    In Obst und Gemüse stecken besonders viele Vitamine und Mineralstoffe.

    3. Praktische Umsetzung mit der Teller-Methode

    „Das hört sich ja alles gut an, aber wie soll ich es schaffen von allem ausreichend zu essen? Das klingt sehr anstrengend und nach viel rechnen…“

    Keine Sorge, das muss nicht sein. Tatsächlich würde ich sogar eher davon abraten jetzt in Zählen und Ernährungs-Tracking zu verfallen, denn das sorgt schnell für Perfektionismus und Druck. So kann die positive Beziehung zum Essen verlorengehen und man verliert schneller die Motivation für gesunde Ernährung.

    Es gibt eine einfache Methode, die es unkompliziert macht, sich ausgewogen zu ernähren: Das Teller-Modell.

    Das Teller-Modell ist eine einfache Orientierung für ausgewogene Mahlzeiten.

    Schau dir dazu deinen Teller genauer an: Im Idealfall füllt man die Hälfte des Tellers mit Gemüse oder Obst. Auf der anderen Hälfte sollten dann ca. jeweils ein Vierteil Proteinquelle und stärkehaltige Kohlenhydrate, wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Kartoffeln und co. liegen.

    Je nachdem, ob nun bereits Fett mit enthalten ist (z.B. in Lachs, Eiern oder Nüssen/Kernen), sollte davon noch eine kleine Menge dazukommen, z.B. in Form von Pflanzenöl, Avocado oder Nüssen.

    Und schon hast du einen ausgewogenen Teller kreiert – ganz ohne Zählen oder Rechnen.

    Das Teller-Modell ist übrigens als Orientierung gedacht. Nicht jeder Teller muss die perfekte Aufteilung haben. Zur ausgewogenen Ernährung gehört auch, dass sie realistisch und alltagstauglich ist.

    Darf ich jetzt gar nichts Süßes mehr essen? Doch, denn Verbote und Verzicht braucht eine ausgewogene Ernährung nicht. Anstatt sich also darauf zu fokussieren, wovon man weniger essen sollte, würde ich vorschlagen genau das Gegenteil zu tun: Den Fokus darauf zu legen, wovon es mehr werden darf. Und wenn man Lust auf Schokolade oder Kekse hat, dann ist es auch in Ordnung etwas davon zu essen. Bei einer guten Basis und regelmäßigen, sättigenden Mahlzeiten braucht man sich keine Sorgen darum machen, dass man hier gleich die Kontrolle verliert. Natürlich gibt es hier noch mehr Einflussfaktoren wie emotionales Essen. Das würde in diesem Artikel hier allerdings zu weit führen.

    4. Regelmäßige Mahlzeiten

    Neben dem „Was“ ist auch das „Wie“ wichtig für eine gesunde Ernährung. Eine Struktur mit regelmäßigen Mahlzeiten hilft dabei, nicht in ständiges Snacking zu verfallen und den ganzen Tag über gesättigt und leistungsfähig zu bleiben. Der Blutzuckerspiegel bleibt reguliert und es kommt nicht zu Heißhunger. Gleichzeitig fällt es damit leichter auf ausgewogene Ernährung zu achten. Denn wer schon einmal ausgehungert von der Arbeit nach Hause kam, der kennt es sicher: Kühlschrank auf und einfach irgendetwas essen oder gleich auf dem Weg nach Hause irgendwo anhalten. Geduld, um sich eine richtige Mahlzeit zubereiten ist bei großem Hunger in der Regel nicht mehr da. Kein Wunder, denn unser Körper ist dann bereits in Alarmbereitschaft und schreit nach schneller Energie. Die steckt vor allem in Einfachzuckern und Fett. Der Griff geht dann also automatisch eher zu Süßigkeiten oder Fast Food.

    5. Langsam und Bewusst Essen

    Auch zum „Wie“ gehört die Art, wie wir essen. Um die richtige Portionsgröße für sich zu finden ist es wichtig, auf Körpersignale wie Hunger und Sättigung zu achten. Oder dies auch erst einmal wieder zu lernen, denn gerade nach vielen Diäten ist die Wahrnehmung hier oft gestört. Dabei kann achtsames Essen helfen. Also langsames, bewusste Essen ohne Ablenkung. Wenn du mehr dazu wissen möchtest, habe ich hierzu einen eigenen Artikel verfasst.

    6. Fazit

    Ich hoffe, ich konnte hiermit etwas Licht ins Dunkel bringen. Gesunde Ernährung muss nicht kompliziert sein. Ich bin als Fachkraft der Überzeugung, dass es eher die Hürde zur Umsetzung sehr groß macht, wenn man sich auf zumeist unnötige Details wie einzelne Mikronährstoffe oder Verbote fokussiert. Viel sinnvoller und nachhaltiger ist die Basis: Ausgewogene und regelmäßige Mahlzeiten und eine gesunde Beziehung zum Essen ohne Druck und Stress.

    Ich wünsche in diesem Sinne guten Appetit!

  • Warum du keine Diät machen solltest

    Warum du keine Diät machen solltest

    Wenn du auf diesen Beitrag geklickt hast, ist es sehr gut möglich, dass du dich schon mal an mindestens einer Diät probiert hast, um Gewicht zu verlieren. Möglicherweise hat es anfangs erstmal richtig gut funktioniert mit der Abnahme. Du warst motiviert dabei und hast dich an alle Regeln diszipliniert gehalten. Das war sicher nicht immer leicht, aber du hast dich zusammengerissen und dein Ziel im Blick behalten. Möglicherweise bist du auch erfolgreich an deinem Ziel angekommen. Klingt alles erst einmal super!

    – bis die Diät vorbei war. Erleichterung. Endlich ist es geschafft und du kannst dich entspannen.

    Endlich wieder normal essen ohne all diese Regeln und Verbote!

    Eigentlich ist dir jetzt total danach, dich jetzt für all die Mühe zu belohnen…

    So geht es häufig los und schneller als du dir bewusst werden kannst, hast du plötzlich ein paar Kilo wieder drauf. „Erstmal nicht schlimm, das passt schon.“ Sagst du dir. In der Regel bleibt es aber nicht dabei. Es wird mehr und ganz häufig wird es am Ende sogar mehr, als es vor der Diät war. Was geht dann in dir vor? Du fühlst dich ohnmächtig, bist enttäuscht von dir. Du hattest es doch so gut im Griff!

    Wo ist dieses positive Gefühl nur hin? Warum kannst du dich nicht mehr so disziplinieren?

    Dein Vertrauen in dich selbst beginnt zu bröckeln. Scheinbar bist du doch nicht so gut in der Lage dich zu kontrollieren. Die negativen Gefühle machen sich breit, du wirst immer unzufriedener bis – du über Social Media, in einer Zeitschrift oder über Freunde und Bekannte von dieser neuen Diätmethode hörst. Sie soll ganz einfach sein, unkompliziert. Und vor allem: Sie soll dich schnell wieder ans Ziel bringen. Endlich ein Ausweg aus deiner Situation! Also legst du wieder los, topmotiviert es dieses Mal endgültig zu schaffen…

    Was ich hier beschrieben habe, ist ein Teufelskreis, den viele, die mit ihrem Gewicht kämpfen, sehr gut kennen. So kann sich schnell eine Diät an die andere reihen und Gefühle von Hoffnung und Motivation wechseln sich ab mit Schuldgefühlen und Selbstzweifeln bis hin zur Verzweiflung. Wenn du dich nun hier wiederfinden konntest, möchte ich dir sagen, dass du damit nicht allein bist. Auch möchte ich dir sagen, dass es nicht deine Schuld ist und es ganz sicher nichts mit deiner mangelnden Disziplin zu tun hat. Hier erfährst du, was wirklich dazu führt, dass Diäten immer wieder scheitern.

    1. Diätversprechen

    Viele Diäten werben mit schnellen Erfolgen und beeindruckenden vorher/nachher-Bildern. Über Risiken einer Unterversorgung mit Energie und Nährstoffen wird dabei nicht aufgeklärt.

    Es ist wichtig sich bewusst zu machen, dass Diäten und Diätprodukte, seien es nun Diätkonzepte, Supplements oder Lebensmittel, ein Markt sind. Das bedeutet, sie sollen verkauft werden und müssen dafür mit attraktiven Versprechen für sich werben.

    Solche Versprechungen beziehen sich bei Diäten meistens darauf, dass sie zum einen schnell und unkompliziert funktionieren, aber gleichzeitig vermeintlich ohne Verbote auskommen. Am besten alles in Kombination.

    Da wird es direkt einmal schwierig, denn um besonders schnell abzunehmen, müsste entsprechend auch ein sehr großes Kaloriendefizit eingehalten werden. Das geht aber automatisch mit Verboten und großen Einschränkungen einher. Zum Beispiel anstatt von Mahlzeiten Shakes zu trinken könnte vermeintlich unkompliziert sein. Das klingt für mich aber nicht gerade nach „keine Verbote“. Anspruch und Wirklichkeit gehen bei einem genaueren Blick also meist weit auseinander und sind oft gar nicht realistisch miteinander vereinbar.

    2. Hunger

    Das Thema Schnelligkeit spielt in den meisten Diäten eine Rolle. Wir sind es als Gesellschaft gewöhnt alles sofort zu bekommen, ohne lange darauf warten zu müssen und so ist es (leider) auch beim Thema Abnehmen. Um das zu erreichen, wird versucht so wenig wie möglich zu essen. So basieren viele Diäten auf Strategien, um besonders wenig Energie zu sich zu nehmen und das dann möglichst lange durchzuhalten. So eine Unterversorgung mit Energie und Nährstoffen ist auf Dauer allerdings weder gesund noch nachhaltig und endet meist in Heißhungerattacken, die dann wiederum zu Schuldgefühlen und Selbstzweifeln führen. Darauf wird wieder mit mehr Regeln reagiert und es ergibt sich ein Teufelskreis – aus Verzicht und Schuld.

    In Diäten wird in der Regel mit pauschalen Energiedefiziten gearbeitet. Das bedeutet, es wird gar nicht erst geschaut, wie hoch ein individueller Energiebedarf ist. (Für mehr Infos zum Energiebedarf, schau gerne mal hier.)

    Die Folge: Hunger! Dieser wird im Körper durch ein komplexes System aus Hormonen und Botenstoffen gesteuert. Vor allem das Hormon Ghrelin ist dafür da, Hunger zu signalisieren. Isst man sehr wenig, dann ist es auch in größerer Menge im Blut nachweisbar [1]. Auch andere Hormone, die den Hunger regulieren, sind betroffen. Zum Beispiel Insulin, welches für den Einbau von Glucose, also Zucker, in die Körperzellen verantwortlich ist. Es senkt den Blutzuckerspiegel, während es direkt nach dem Essen dem Gehirn Sättigung signalisiert. Bei einem Kaloriendefizit ist Insulin erniedrigt, da dann ja auch weniger Glucose aufgenommen wird[2], [3] . Weniger Insulin bedeutet also auch weniger Sättigungsgefühl.

    Auch sinkt der Leptinspiegel bei einer Abnahme. Die vorhandene Menge des Hormons Leptin ist eng verbunden mit der Menge und Größe an Fettzellen im Körper. Ist mehr Fett vorhanden, so ist auch mehr Leptin im Blutkreislauf nachweisbar. Es löst Sättigung aus [3], [4]. Somit steigt auch der Hunger, wenn weniger davon vorhanden ist.

    Das Problem:

    Bei einer schnellen Abnahme sinken die Level an Insulin und Leptin viel stärker, als es die Abnahme an Körperfett rechtfertigen würde [3].

    Dem Gehirn wird also weiterhin signalisiert: „Hey, unsere Energie ist leer! Wir brauchen mehr Essen!“ Dies wird als ein maßgeblicher Grund gesehen, warum nach einer Abnahme oft schnell wieder eine Zunahme erfolgt (=JoJo-Effekt). Es dauert, bis sich die Hormonspiegel wieder regulieren [6]. Werden am Ziel alle strikten Regeln der Diät fallengelassen, dann ist das Risiko sehr groß deutlich über dem eigenen Verbrauch zu essen. Der Körper versucht so, den Energiehaushalt wieder auszugleichen.

    Was auch dazukommt: Ein hohes Kaloriendefizit geht mit erhöhtem Stress für den Körper einher. Der Cortisolspiegel steigt. Ein über längere Zeit erhöhter Cortisolspiegel ist wiederum mit höherem Körpergewicht und mehr Appetit verbunden [5].

    3. Energiestoffwechsel

    Unser Körper verbraucht bei Bewegung, aber auch im Ruhezustand, Energie. Sinkt das Körpergewicht, dann sinkt damit auch automatisch der Energieverbrauch bei Aktivität, weil weniger Masse bewegt werden muss.

    Neben den Auswirkungen auf Hungerhormone wirkt ein Kaloriendefizit auch auf weitere Hormone, die den Stoffwechsel mit steuern. So zum Beispiel die aktiven Schilddrüsenhormone ft3 und ft4, welche während eines Energiedefizits etwas erniedrigt sind [1]. Ft3 steigert den Energiestoffwechsel, beeinflusst also unseren Grundumsatz an Energie [7]. Glücklicherweise regulieren sich beide recht schnell wieder, sobald kein Energiedefizit mehr vorliegt.

    Generell lässt sich jedoch beobachten, dass der Energieverbrauch durch eine Abnahme absinkt [1], [3], [8]. Gründe hierfür sind zum einen eine Abnahme an Körpermasse, sowohl Körperfett, als auch Muskulatur. Auch lernt der Körper, mit der verfügbaren Energie besser zu haushalten. Da weniger gegessen wird, wird außerdem auch weniger Energie bei der Verdauung benötigt. Zuletzt muss auch bei jeder sportlichen Aktivität weniger Gewicht bewegt werden und somit wird auch hier weniger Energie verbrannt [3]. 

    Es ergibt sich somit eine große Herausforderung:

    Der Energiebedarf sinkt und gleichzeitig steigt der Hunger.

    Es braucht zudem Zeit, bis alle hormonellen Veränderungen nach einer Abnahme wieder ausgeglichen sind. Keine guten Voraussetzungen also für eine nachhaltig erfolgreiche Diät, wenn diese Umstände ignoriert werden.

    4. Mentale Auswirkungen

    Gerade sehr strenge und wiederholte Diäten gehen meist mit vielen Verboten einher. Sie können mental negative Auswirkungen haben und gestörtes Essverhalten bis hin zu Essstörungen begünstigen [9]. Interessanterweise gehört das Einhalten von Diäten sogar zu den Hauptgründen für eine ungewollte Gewichtszunahme [10].

    Diäten haben zum Ziel ein Kaloriendefizit herzustellen. Das ist rein logisch erst einmal sinnvoll, denn ohne Defizit erfolgt auch keine Abnahme. Die Art und Weise, wie dieses Defizit hergestellt werden soll, geht jedoch in klassischen Diäten mit externen Regeln oder Verboten einher. Bestimmte Lebensmittel dürfen nicht gegessen werden oder nur zu bestimmten Zeiten, etc.

    Ein Beispiel ist die Keto-Diät, bei welcher weitestgehend auf Kohlenhydrate verzichtet werden muss. Dadurch kommt es initial zu einem großen Gewichtsverlust, der mit Wasserverlust zu erklären ist. Das motiviert natürlich erst einmal hier auch dranzubleiben. Auf lange Sicht führen solche starken Einschränken jedoch meist dazu, dass gerade die verbotenen Lebensmittel immer mehr auf ein Podest gehoben werden. Das Verlangen wird größer. Spätestens, wenn die Diät beendet ist, kommt es dann schnell zu einem Kontrollverlust bei gerade diesen Lebensmitteln. Sie werden im Übermaß gegessen und man selbst bekommt von sich den Eindruck: „Ich habe mich ja gar nicht im Griff! Am besten ich solche Sachen gar nicht erst im Haus!“ Dabei hat dieser Kontrollverlust in der Regel mit der Restriktion in der Diät zu tun [11, [12] und nicht mit mangelnder Disziplin.

    Strenge Diäten immer und immer wieder durchführen kann Folgen für die mentale Gesundheit haben.

    So kann es passieren, dass sich eine negative Beziehung zum Essen immer mehr manifestiert

    Essen wird übermäßig kontrolliert, es landen immer mehr Lebensmittel auf der „roten Liste“, es kommt zu Kontrollverlusten und Essattacken und all das begleitet von Schuldgefühlen und Selbstzweifeln. Ein Teufelskreis, der Essen immer mehr zum Feind werden lässt. Die Gedanken kreisen um Dinge wie: „Was esse ich als nächstes?“, „Ist das gut für mich?“, „Macht mich das dick?“, „Ich sollte das nicht essen.“, etc. So wird es immer schwieriger mit jeder weiteren Diät, sich selbst und dem eigenen Körper noch über den Weg zu trauen. Kein Wunder also, dass dann immer neue Wege gesucht werden das eigene Essverhalten von außen zu kontrollieren, anstatt auf Körpersignale zu achten. Da die Wertschätzung des eigenen Körpers eng mit der Ausbildung von Essstörungen wie der Binge-Eating-Essstörung verknüpft ist [13], gehen chronische Diäten somit schnell zu Lasten der mentalen und körperlichen Gesundheit.

    Was aber tun? Kann ich überhaupt nachhaltig abnehmen?

    Ja, das geht! Sobald du erkennst, dass immer neue Diäten dich nicht an dein Ziel bringen und du einen anderen Ansatz wählen solltest, der die eben genannten Herausforderungen nicht ignoriert.

    Hör auf, nach einem immer enger gesteckten Set aus Regeln zu suchen und fang an mehr für dich und deinen Körper zu wollen. Gesundheit, Wohlbefinden und Genuss gehören zusammen und sollten sich nicht ausschließen.

    Was braucht es also, um gesund abzunehmen?

    • Flexible Kontrolle: Ein Kaloriendefizit ist nötig für eine Abnahme, muss aber nicht durch strikte Kontrollmechanismen von außen herbeigeführt werden. Fokussiere dich auf ausgewogene und regelmäßige Mahlzeiten, anstatt penibel Kalorien zu zählen oder deinen Hunger aufzuschieben. Dein Körper ist in der Lage, dir Sättigung rechtzeitig zu signalisieren, wenn du ihn lässt. Dafür ist es hilfreich achtsam Essen zu lernen.
    • Bedarfsgerechte Versorgung: Iss vielfältig und ausreichende Portionen. Das Thema Portionsgröße ist für viele herausfordernd. Vor allem nach vielen Diäten, wenn dem Körper nicht mehr vertraut wird. Die Arbeit an der Wahrnehmung von Hunger- und Sättigungssignalen hilft dabei, wieder mehr in Einklang mit dem Körper zu essen. Viel Gemüse trägt übrigens sehr zur Sättigung bei, da auch Dehnungsrezeptoren im Magen ein Sättigungsgefühl auslösen.
    • Nachhaltiges Denken: Ziele auf eine Veränderung ab, die dir erhalten bleibt. Das heißt von Beginn an darauf achten, dass du dich wohl damit fühlst. Du solltest dich nicht geißeln müssen oder Dinge nur essen, weil sie der Abnahme dienen, die dir aber gar nicht schmecken.
    • Gesundes Essverhalten: Der Fokus sollte nicht auf Zahlen in der Ernährung liegen, sondern auf dem Essen nach inneren Körpersignalen. Ernährungstracking kann eine Orientierung sein, sollte aber kein Dauerzustand werden.
    • Einstellung: Hab Geduld mit deinem Körper. Arbeite für und nicht gegen ihn. Sieh die Ernährungsumstellung als einen Prozess, der viele positive Erfahrungen für dich bereithält und nicht als Bürde, die durchgestanden werden muss. Vermeide schwarz-weiß-Denken und kategorisiere Lebensmittel nicht in „gut“ und „schlecht“. So gibst du ihnen nur viel mehr Macht, als sie haben sollten.
    Quellen

    [1] https://journals.lww.com/nsca-jscr/fulltext/2022/10000/metabolic_adaptations_to_weight_loss__a_brief.39.aspx

    [2] https://journals.physiology.org/doi/full/10.1152/ajpregu.00755.2010

    [3] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12601621/

    [4] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/1130302/

    [5] https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2895000/

    [6] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22029981/

    [7] https://flexikon.doccheck.com/de/Triiodthyronin

    [8] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18842775/

    [9] https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-63544-5

    [10] https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/2158244018772888

    [11] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33978953/

    [12] https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S240545772200290X

    [13] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36231362/